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Das Böse im Menschen
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Schade, ich hatte mich auf den neuen Inspektor-Wexford-Krimi von Ruth Rendell gefreut, doch so richtig glücklich bin ich nicht damit geworden. Zwar ist der alte grummelige Inspektor noch immer eine sympathische Figur, auch wenn er mittlerweile ein wenig behäbig geworden ist und sich in ausgiebigen Erinnerungen verliert. Immerhin ist es interessant, via Wexford durch Rendells Augen einen Blick auf die vielfältigen Veränderungen zu werfen, denen die englische Gesellschaft in den vergangenen vierzig Jahren unterworfen war. Was mir dagegen ein gewisses Unbehagen bereitet hat, ist die Tatsache, dass es sich bei diesem Buch sozusagen um einen Anti-Psychothriller handelt. Von einem Psychothriller erwartet man, dass menschliches Handeln auf psychologisch erklärbare Faktoren zurückgeführt wird, die meist in der persönlichen Lebensgeschichte der Personen begründet sind. Hier jedoch begegnen wir der von Wexford vertretenen Überzeugung (ob sie berechtigt ist oder nicht, sei hier natürlich nicht verraten), dass es Menschen gibt, die grundlos Verbrechen begehen und damit sozusagen das absolute Böse verkörpern. Aus dieser Überzeugung heraus verfolgt der Inspektor verbissen den Verdächtigen, in dessen Charakter, für mich wenig plausibel, ausgeprägte Tierliebe auf ebenso extremen Menschenhass trifft. In einem weiteren Handlungsstrang, dem Verschwinden eines muslimischen Mädchens, kommt Wexfords Mitarbeiterin Hannah Goldsmith zum Zuge. Wie schon in vorherigen Romanen, wirkt diese Figur durch ihre krampfhaften Bemühungen um politische Korrektheit beinahe karikaturhaft. Fazit: Wenn man die hier dargestellte Sichtweise der menschlichen Natur grundsätzlich nachvollziehen kann, wird man das Buch wahrscheinlich mögen. Wer jedoch eine, wie ansonsten bei Rendell eher üblich, psychologisch fundierte Story erwartet, den wird es ein wenig ratlos und unzufrieden zurücklassen.
Eine Rezension von easy >
vom 3. Februar 2010 |