Das Fieber und seine kalte Enttäuschung
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Alle meine Rezensionen ansehen Rezension bezieht sich auf: Fever of the Bone (Gebundene Ausgabe) * enthält Spoiler !!! *

Meine große Furcht nach "Beneath the Bleeding", dass Val McDermid langsam die Luft ausgeht hat sich leider drastisch vergrößert. Dabei hörte sich alles so erfolgversprechend an: wieder ein klassischer Serienkiller-Fall mit verstümmelten Leichen, Tony und Carol nicht im Streit (großes verpatztes Potential im letzten Buch!) und wieder ne ordentliche Anzahl an Seiten. Da denkt man, der Frau sei wieder etwas interessanteres eingefallen, denn die Thematik von "Beneath the Bleeding" mochte ich überhaupt nicht. Was ihr tatsächlich eingefallen war, kam wie eine Mischung aus zwei Folgen der 3. Staffel der TV-Serie daher. Zumindest kam es mir so vor. Eine der Folgen hieß sogar "Bad Seed", ein Begriff der in Buch so häufiger benutzt wird. Das Internet als Todesfalle gab es mittlerweile des öfteren. Die letztendliche Auflösung des Ganzen war dann wieder in Ordnung und nicht so platt wie es über fast das ganze Buch schien, aber auch nicht besonders interessant. Das Motiv wird einem recht früh klar und der Mörder auch einige Seiten vor der eigentlichen Auflösung. Auch die Wahrheit über den Vorfall von Tonys Vater ist sofort klar. Was die Tony/Carol Reihe für mich immer herausragend machte, war der Fokus auf die Psychologie des Täters. Davon gab es hier wenig. Tony ist hauptsächlich damit beschäftigt seine eigene Vergangenheit zu beleuchten anstatt faszinierende Einblicke in den Täter zu liefern. Von was es dagegen ermüdend viel gibt sind endlose Gespräche zwischen dem Team, dem Team und anderen Polizisten und die Durchführung von Interviews mit den Familien der Opfer.
Tony und Carol sprechen kaum miteinander! Diese Tatsache stellt für mich das größte Minus dar. Die ganze Sache ist ein Deja-vu von "Beneath the Bleeding". Man müsste meinen Val hätte aus den eher mäßigen Bewertungen den Schluss gezogen, dass es keine gute Idee ist die beiden isoliert voneinander agieren zu lassen. Aber hier haben wir das selbe Dilemma! Wieso?! Der Charme dieser Buchreihe liegt in der Interaktion von Tony und Carol, ihr intellektueller Ideenaustausch. Gerade durch Carol's Einwürfe kamen Tony zuvor die wichtigsten Anstöße für seine Profile. "Fever of the Bone" lässt beide verwirrt umherirren. Das könnte interessant sein, ist es aber nicht. Erst gegen Ende des Buches bemerken Tony und Carol, dass sie dem selben Mörder nachgehen!! Es mag vielleicht durchaus realistisch sein, dass sich unterschiedliche Polizeistationen im Land nicht austauschen, aber dass Tony und Carol sich nicht austauschen, das fand ich absurd. Auch wenn Carol Tony von ihrem Fall nichts erzählen wollte, hätte Tony doch mal was von seinem erzählen können und da hätte sofort was auffallen müssen. Die Dynamik der beiden ist in "Fever of the Bone" völlig im Eimer, muss ich ehrlich sagen.
Von ihrer Beziehung ganz zu schweigen. Da war ja das vorherige Buch noch interessanter. Da die beiden so gut wie nicht kommunizieren tut sich natürlich auch (weiterhin) nichts neues zwischen den beiden. Die Autorin ist gerade dabei die glaubhaft aufgezogene Beziehung völlig kaputt zu schreiben. In den ersten 4 Bänden befand sich ihre Beziehung in jeweils unterschiedlichen Phasen, die alle glaubhaft aufeinander folgten. Aber seit "Beneath the Bleeding" bewegen sich die beiden rückwärts bzw ist ihre Beziehung ermüdend statisch geworden. Wieder ist es nur der Epilog, der eine Weiterentwicklung verspricht. Aber angesichts des vorherigen Buches scheint mir das nur ein billiges Mittel zu sein die Fans bei der Stange zu halten. Denn offensichtlich ist Val unwillig die beiden den logisch nächsten Schritt gehen zu lassen, der aber dringend nötig ist, um der Reihe einen würdevollen Abschluss zu gewährleisten. Es macht sonst einfach keinen Sinn mehr. Es macht eigentlich bereits mit dem Ende von "Beneath the Bleeding" keinen Sinn mehr. Tonys letzter Satz lässt keine Zweifel offen, dass er endlich mit Carol zusammen sein will. Das ist im aktuellen Buch wieder völlig vergessen. Es gibt keine Anknüpfung, nichts. Der neue Epilog erzählt uns eigentlich genau das selbe, aber ich schätze daraus wird bestimmt wieder nichts. Das Hinhalte-Konzept funktioniert nur leider irgendwann nicht mehr wenn's dadurch lächerlich wird und auch der ganze Rest vom Buch leidet.
Ich bin sicherlich nicht der einzige Fan der Buchreihe der langsam sauer wird. Noch nie zuvor hatte ich so wenig Spaß bei Lesen dieser Autorin. Auch ihr exzellenter Schreibstil kann nicht darüber hinwegtäuschen dass in dem Buch wenig Interessantes vor sich geht.
Clever gemacht sind jedoch die Einführungen der Opfer. Auf wenigen Seiten weiß Val ein lebhaftes Bild einer Person oder Familie zu zeichnen, nur um diese Person dann grausam umkommen zu lassen. Das ist fies und ein Markenzeichen ihrer Bücher, würde ich sagen. In dieser Hinsicht ist auch dieses Buch gut. Ihr Sinn für Details und menschliche Interaktionen ist vortrefflich. Ich würde mir wünschen, sie würde diese Gabe wieder auf Tony und Carol anwenden.

Zwei letzte Bemerkungen: was soll der Buchtitel?? Zum ersten Mal völlig unpassend.
Und was soll eine Seite Tätergedanken am Anfang, wenn danach nichts mehr davon kommt?! Diesen eingeflochtenen Erzählstil fand ich bei dieser Buchreihe immer klasse. Warum dann nur kurz? Nur um Interesse zu wecken? Ich komme mir langsam and er Nase herumgeführt vor.

Zwei Sterne für den Lesespaß und einen drauf für den Schreibstil.

Eine Rezension von Ein Kunde
vom 15. September 2009
Kundenrezensionen:
3. Das Fieber und seine kalte Enttäuschung (die aktuell angezeigte Rezension)
2. A little bit disppointing
1. McDERMID IS AT THE TOP OF HER GAME
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